|
Daniela und Max
von Max
Teil 1
Daniela steckte sich den letzten Bissen Torte in den Mund, kaute genüsslich und schluckte. Sie fühlte sich angenehm satt und glücklich. Sie war alleine zu Hause und später würde ihre Freundin Sandra vorbeikommen um DVD zu gucken. Vielleicht würden sie danach noch in die Disco gehen. Aber weiter kamen ihre Gedanken nicht, denn auf dem Tisch war noch ein letztes Stück Torte vorhanden. Sie war zwar nach dem üppigen Abendessen mit Dessert und bereits drei Stück Torte schon sehr satt, aber das war für Daniela kein Hindernis, da sie eine echte Naschkatze war. Kurze Zeit später war also auch das letzte Stück Torte in ihrem dicken Bauch verschwunden und sie fühlte die Notwendigkeit den Knopf ihrer Jeans zu öffnen. Behäbig stand sie auf und fläzte sich auf die Couch im Wohnzimmer. Während sie auf der Couch lag und sich ihren vollgestopften Bauch massierte, dachte sie über ihren Tag nach. Es war ein typischer Wochentag gewesen. Zuerst war sie um 5 aufgestanden und hatte für ihren Vater Frühstück vorbereitet und auch mit ihm gefrühstückt. Ihr Vater war Ingenieur und arbeitete Gleitzeit. Seit seine Frau und Danielas Mutter gestorben war, ging er immer sehr früh arbeiten um nachmittags früher für seine 5 Kinder da zu sein. Gleichzeitig hatte Daniela ihren Beruf als Bäckerin und Konditorin an den Nagel gehängt um ihn im Haushalt zu unterstützen. Als ihr Vater aus dem Haus gegangen war, hatte sie sich wieder kurz hingelegt um dann um 7 ihre drei jüngeren Schwestern zu wecken, die alle noch zur Schule gingen. Für diese hatte sie auch Frühstück vorbereitet und hatte wieder mit gefrühstückt. Danach hatte sie dann die Torte gebacken die jetzt ihren Bauch füllte. Sie backte nämlich jeden Tag einen Kuchen oder eine Torte um ihren Beruf nicht ganz zu verlernen. Um 10 war dann ihr jüngerer Bruder aufgestanden. Er arbeitete als Koch in einem Restaurant, kam spät nach Hause und schlief daher aus. Auch mit ihm hatte sie mitgefrühstückt. Sie grinste. Dreimal Frühstück, das erschummelte sie sich an allen Wochentagen, indem sie ihre Familienmitglieder im Unwissen darüber ließ, dass sie mit allen anderen auch noch frühstückte. Nach dem dritten Frühstück hatte sie dann sonstige Hausarbeiten erledigt und danach Mittagessen gekocht, das sie dann alle zusammen gegessen hatten. Ihr Vater kam um zwei ungefähr gleichzeitig mit den Siebzehnjährigen Zwillingen Tanja und Eva nach Hause, die Fünfzehnjährige Larissa kam normalerweise früher. Um vier gab es dann Kaffee und Kuchen, danach ging ihr Bruder Thomas auf die Arbeit und sie hatte das Abendessen gekocht, welches dann ihre sechste Mahlzeit gewesen war. Danach war ihr Vater zu seiner freitäglichen Skatrunde aufgebrochen und die Zwillinge waren mit Freunden ins Kino. Larissa hatte ihr noch geholfen die restliche Torte zu vertilgen und war danach zu einer Freundin und würde dort schlafen.
Daniela mochte Freitage, denn an Freitagen hatte sie endlich einmal Zeit für sich. Sie stand auf und holte sich aus dem Wohnzimmerschrank noch eine Dose Erdnüsse. Langsam aß sie eine Erdnuss nach der anderen. Auf diese Weise füllte sie ihren Magen in dem Maß wie er sich durch die Verdauung leerte wieder nach, denn sie liebte das Gefühl eines gut gefüllten Bauches. Genaugenommen liebte sie dieses Gefühl etwas zu sehr und sie hatte nicht zuletzt deshalb in den letzten Jahren so sehr zugenommen.
Schlank war sie ja noch nie gewesen und sie hatte auch immer schon gerne gegessen. Mit 16, als sie ihre Bäcker- und Konditorlehre begonnen hatte, brachte sie bei 1,70 Größe kurvige 75 Kilo auf die Waage, was sich aber durch die Arbeit mit dem Essen schnell änderte. Außerdem hatte sie das Volleyballspielen aufgegeben und so zeigte die Waage zum Zeitpunkt ihrer Gesellenprüfung, die sie, neunzehnjährig, in Theorie und Praxis mit 'sehr gut' bestand, stolze 95 Kilo an. Sie hatte einfach der Versuchung von Kuchen, Torten und Keksen nicht widerstehen können. Kurze Zeit später war ihre Mutter verstorben und seitdem kümmerte sich Daniela um den Haushalt. Da sie es schaffte in einem durchschnittlichen Tag sechs bis sieben Mahlzeiten unterzubringen (dreimal Frühstück, Mittagessen, Kaffee, Abendessen und vor dem Schlafengehen manchmal noch ein Nutella- oder Käsebrot) waren in den letzten drei Jahren noch einige Pfunde hinzugekommen. Wie viel es genau war, wusste sie nicht. Das letzte Mal hatte sie sich vor einem halben Jahr gewogen und war vor der großen 117 auf dem Display der Waage erschrocken. Seitdem wollte sie es gar nicht mehr so genau wissen. Allerdings war es mittlerweile höchstwahrscheinlich wieder mehr.
Es klingelte. Daniela stand widerwillig auf und schloss mit einiger Mühe Reißverschluss und Knopf ihrer Jeans. Vor der Türe stand ihre beste Freundin Sandra, die sie in der Berufsschule kennen gelernt hatte. Sie hatten zusammen ihre ersten 10 "Konditorenkilos" zugenommen, danach hatte Sandra aber die Notbremse gezogen, während Daniela einfach weiter gefuttert hatte.
"Hi Dani!"
"Hi Sandra! Na wie geht's, komm rein!"
"Ja super, und dir?"
"Auch gut!"
"Ich hab Lost in Translation und Chips dabei. Gut?"
"Sehr gut!"
Zusammen guckten sie sich den Film an und naschten die Chips.
"Sag mal, Dani, hattest Du kein Abendessen? Die Chips sind alle und ich hab fast nix abbekommen!" stellte Sandra nach dem Film fest. "So, jetzt lass aber mal in die Disco, du musst dir aber noch was schickeres anziehen, mit dem lappigen T-Shirt siehst du echt unsexy aus!"
"Ich weiß, is ja auch nur für zu Hause, ist halt bequemer!"
Also gingen sie zu Danielas Kleiderschrank um etwas Figurbetonteres zu finden. Sandra schlug ein pinkfarbenes Tank-Top vor, das nichts kaschieren würde. Als Daniela es sich überzog, weiteten sich Sandras Augen.
"Darin siehst du ja aus die eine Wurst in der Pelle! Du bist echt ganz schön dick geworden in letzter Zeit!"
"Danke für den dezenten Hinweis! Aber du wolltest doch figurbetont, und das ist es ja wohl!"
"Etwas zu figurbetont! Da sieht man voll deinen fetten Hüftspeck!"
"Ist mir egal. Das behalt ich jetzt an!"
Mit diesen Worten beendete Daniela die Diskussion und die beiden machten sich auf den Weg in die Disco. Hundertprozentig wohl fühlte sie sich allerdings dennoch nicht, da sie fühlen konnte, wie der Speck, der über den Bund der auch zu eng gewordenen Hose rollte, bei jedem Schritt wabbelte. Sie hätte vielleicht heute doch nicht so viel essen sollen. Aber Sandras Bemerkung, sie sei dick geworden, hatte ihren Trotz geweckt. War sie halt dick geworden, ja und? Den Spaß an der Disko würde sie sich nicht verderben lassen.
Als sie nachts um halb drei nach Hause kam, schälte sie sich aus ihren zu engen Klamotten und ließ sich auf ihr Bett plumpsen. Das war ein guter Abend gewesen. Sie hatten getanzt, geflirtet und Cocktails getrunken - und sie hatte einen echt netten Typen kennengelernt...
Trotz der späten Heimkehr stand sie samstags bereits um 8 auf und widmete den Vormittag der Hausarbeit: Wäsche waschen, Bad putzen, Mittagessen kochen. Nachmittags ging sie in die Innenstadt zum Shoppen und gönnte sich ein Eis. Nach dem Abendessen räumte sie noch die Küche auf und zog sich nach einer Dusche mit einem Roman auf ihr Zimmer zurück und machte es sich in ihrem Bett gemütlich. Heute abend würde sie entspannen.
Aber weder der Roman, noch 200 Gramm Herbe Sahne konnten ihre Gedanken von dem netten Mann vom gestrigen Abend ablenken. Eigentlich war sie zunächst genervt gewesen als er sie angequatscht hatte, weil sie gerade dabei gewesen war, mit Sandra wichtigen Klatsch auszutauschen. Aber er hatte sich als richtig nett erwiesen. Max war sein Name und er war durchaus ein hübscher und stattlicher Mann. Sie wurde in Discos oft angequatscht, denn sie war sehr hübsch, mit dunkelblau-grauen Augen und mittelblonden Haaren. Außerdem hatte sie trotz ihres Übergewichts ein schlankes Gesicht und einen schlanken Hals ohne Doppelkinn, so dass mancher Typ auf die Entfernung eine schlanke Frau vermutete um dann beim Näherkommen durch den Anblick ihres breiten Hinterns und ihrer dicken Schenkel doch reißaus zu nehmen. Aber Max war anders gewesen. Irgendwie hatte er den Eindruck gemacht, als käme es ihm gar nicht so sehr auf ihr Aussehen an. Er hatte sich sogar bemüht, nur dezent in ihr Dekolletée zu schauen. Und er war echt nett gewesen, humorvoll und gebildet. Auch die Tatsache, dass er selbst eher übergewichtig war, erschien ihr positiv. Er war scheinbar jemand, der gutes Essen zu würdigen wusste. Dass sie von Beruf "Hausfrau" war, hatte er sehr positiv aufgenommen und dann hatte er ihr seine Telefonnummer zugesteckt... Nach einer weiteren Stunde unentschlossenen Herumträumens stand sie wieder auf, tapste zum Telefon und wählte.
"Max Stupper, hallo?"
Sie war überrascht über seine energische Stimme.
"Hallo hier ist Daniela, wir haben uns gestern im Nachtwerk kennengelernt..."
"Hallo Daniela, schön dass du anrufst! Wie geht es dir?"
"Danke, gut, und dir?"
"Mir geht's auch gut. Abgesehen davon, dass ich alleine bin."
"Oh, was machst du denn dann heute abend?"
"Ich glaube, ich weiß es: ich lade dich zum Essen ein!"
"Das hört sich nett an! Wohin soll es denn gehen?"
"Ich kenne da einen exzellenten Türken bei mir um die Ecke."
"Döner?"
"Nein!" Max lachte. "Richtiges türkisches Essen!"
"Ach so. Ist das denn gut?"
"Auf jeden Fall!"
"Also, dann bin ich dabei."
"Wunderbar! Wo soll ich dich abholen?"
Sie nannte ihm die Adresse.
"Alles klar. Ich bin in einer halben Stunde bei dir!"
Daniela brauchte erst einmal eine Minute um das Telefongespräch zu verdauen. Sie hatte sich gerade, obwohl sie nach einem üppigen Abendessen, Dessert und 200 Gramm Schokolade schon gut satt war, zu einem zweiten Abendessen einladen lassen. Der Kerl hatte ihr echt den Kopf verdreht!
Im Schlafzimmer durchsuchte sie hektisch ihren Kleiderschrank. Die Jeans von gestern? Verqualmt. Sie versuchte eine andere, die aber so eng war, dass sie den Knopf nicht mehr zu bekam. Sie würde sich demnächst wieder einmal wiegen müssen – diese Jeans hatte doch im Frühjahr noch gepasst? Schließlich entschied sie sich für einen Rock mit dehnbarem Bündchen. Schnell noch etwas Maskara und Lidschatten, da klingelte es auch schon. Sie schnappte sich ihre Handtasche, eilte also die Treppe herunter und öffnete die Haustüre. Aber es war nur ein pubertierender Freund der Zwillinge.
"Tanja und Eva sind oben", sagte sie schnell und kam sich ziemlich blöd vor, weil sie den kleinen, pickligen Bubi im ersten Moment so angelacht hatte.
"Hallo Daniela!"
Sie erschrak. Sie hatte gar kein Auto kommen gehört.
"Oh, hi! Das ging aber schnell! Ich habe dich gar nicht kommen gehört!" Sie hoffte inständig, dass Max ihre Begegnung mit dem Teenager nicht mitbekommen hatte.
"Ich bin mit dem Fahrrad gekommen, das ist ziemlich leise!"
"Mit dem Fahrrad? Ich dachte, du kommst mich mit dem Auto abholen?"
"Es gibt ja sowas wie Bestell-Autos: ich habe ein Taxi herbestellt!"
"Ach so... Hast du kein eigenes Auto?"
"Ich könnte jetzt behaupten, es sei in der Werkstatt, aber das wäre gelogen. Ich habe tatsächlich kein Auto. Ich gebe mein Geld lieber für andere Sachen aus! Zum Beispiel um nette, hübsche Damen zum Essen einzuladen!"
"Soso. Du machst das also öfters. Und ich dachte schon, du machst dir die Mühe wegen mir." Daniela klang plötzlich frostig.
"Verdammt, jetzt habe ich wieder etwas Dummes gesagt. Ich, äh, ich wollte, äh, interessanter klingen als ich bin. Also, äh, ich bin ja schon seit, oh je, über drei Jahren nicht mehr mit einer Frau ausgegangen, da bin ich wohl, äh, doch etwas aus der Übung!"
Seine Aufregung und Nervosität schien echt zu sein. Daniela entschied sich ihm noch eine Chance zu geben. Da kam aber auch schon das Taxi. Wenige Minuten später saßen sie einander gegenüber in dem kleinen Lokal. Eigentlich wollte sie etwas Leichtes bestellen, aber Max überredete sie sanft zu einer Platte für zwei. Er gab sich alle Mühe nett zu sein und seinen Fauxpas von zuvor wieder wett zu machen. Zwei Stunden später verließen die beiden das Restaurant in bester Laune. Daniela fühlte sich genudelt wie eine Mastgans: durch jahrelanges reichliches Essen war sie zwar so gut in Übung, dass sie ein zweites vollwertiges Abendessen verdrückt hatte, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Jetzt fühlte sie sich aber aufgebläht wie ein Luftballon. Das musste Max doch auffallen? Aber da er selbst überreichlich gegessen hatte, war es ihr nicht schwer gefallen auch ordentlich zuzuschlagen. Außerdem fühlte sie sich durchaus verstanden und akzeptiert mit ihren Rubensformen, da auch Max eindeutig übergewichtig war, wenn auch nicht ganz so sehr wie sie selbst.
Wieder zu Hause angekommen, legte sie sich ins Bett und während sie sich ihren Bauch massierte dachte sie über den Abend nach. Max war so unkonventionell. Er war gleichzeitig verständnisvoll und Macho. Er hatte zwar viel von sich selbst erzählt, es aber dennoch geschafft aufmerksam zuzuhören...
Weiter kam sie nicht, denn ihr übervoller Magen ließ sie schläfrig werden.
Am nächsten Morgen wachte sie mit einem riesigen Appetit auf, der sich den ganzen Tag über nicht stillen ließ. Sie war glücklich, sie war verliebt! Und ihr neuer Traummann respektierte sie so wie sie war! Warum sollte sie sich also zurückhalten? Sie würde das Leben genießen!
Und genau das tat sie in den folgenden Wochen auch. Bei ihren gewohnten sechs Mahlzeiten aß sie reichlicher als üblich und zwischendurch gönnte sie sich immer öfter Schokolade, Gummibärchen, Kekse, Erdnüsse, Chips und ähnliche Köstlichkeiten. Die warmen Mahlzeiten bereitete sie nun auch standardmäßig mit einem Dessert. Mousse-au-Chocolat, Tiramisu, Pudding, Zimtpfannkuchen, Crêpes, Eiscrème oder ähnliches. Speziell diese Maßnahme trug dazu bei, dass alle Familienmitglieder begannen, Speck anzusetzen.
„Willst du uns eigentlich mästen?“ fragte Eva eines Tages nach dem zweiten Nachschlag Tiramisu. „Seit du immer Nachtisch machst, habe ich schon zwei Kilo zugenommen! Krieg ich noch ein bisschen?“
„Typisch Eva!“ stichelte ihre Zwillingsschwester. „Stopft sich die Wampe voll und wundert sich dann, dass sie fett wird! Wenn du nicht aufpasst, wirst du noch so breit wie Daniela!“
„Ja und? Ich esse was mir schmeckt!“
Tanja hatte seit einiger Zeit einen Freund und war darauf bedacht ihr Gewicht von mittlerweile 80 Kilo etwas in den Griff zu bekommen. Mit ihrer Bemerkung hatte sie gar nicht so unrecht, denn Eva hatte sie gewichtsmäßig inzwischen weit hinter sich gelassen und strebte flott auf die 90 zu. Von Danielas ausufernden Formen war sie aber noch weit entfernt. Die einzige, die in ihre Nähe kam war Larissa, denn die wog unterdessen knapp über 100 Kilo und war dabei nur gut 1,60 groß. Daniela hatte keine Zweifel, dass das Nesthäkchen sie irgendwann einholen würde. Larissa liebte es zu essen und war dabei über alle Maßen faul und bequem: zu Hause ließ sie sich gerne bedienen und saß dabei naschend vor dem Fernseher. Außerdem waren ihre drei besten Schulfreundinnen auch alle deutlich zu dick und nachdem was Larissa so erzählte, machten die vier regelmäßig Wettessen und stopften sich dabei mit Unmengen an Fast-Food und Süßigkeiten voll.
Daniela war aber diejenige, die in den letzten Wochen am meisten angesetzt hatte. Sie ging jetzt öfters mit Max aus und ihre Treffen waren stets kalorienreich. Sie merkte es an ihren Hosen, die immer enger wurden. Wenn sie so weiter machte, würde sie bald nichts mehr zum Anziehen haben. Aber zum Glück war jetzt Sommer, da konnte sie Röcke tragen, die wurden wenigstens nicht an den Beinen und am Hintern zu eng.
Auch Sandra fiel auf, dass Daniela zugenommen hatte. Bei einem ihrer freitäglichen Treffen sprach sie Daniela darauf an.
„Sag mal Daniela, hast du, äh, hast du wieder zugenommen?“
„Kann sein, wieso?“
„Naja, es sieht so aus als würdest du jeden Moment aus deiner Jeans rausplatzen!“
„Du hast recht, die saß schon mal lockerer!“
„Außerdem stopfst du dich in letzter Zeit permanent mit Dickmachern voll!“
„Ja und? Ich genieße eben!“ war Danielas Antwort. Und dabei stopfte sie sich einen ganzen Negerkuss auf einmal in den Mund.
„Aber du bist doch schon ganz schön dick! Legst du es drauf an richtig fett zu werden?“
Daniela ging das Thema langsam auf die Nerven.
„Nein, ich lege es nicht darauf an. Ich esse aber so viel ich will und was ich will. Und wenn ich dabei zunehme ist es mir auch egal!“
Sandra lenkte ein.
„Also irgendwie bewundere ich das ja auch dir. Könnte ich nur auch so selbstbewusst mit meiner Figur sein!“ Sandra hatte durch ihren Beruf als Konditorin auch einige Pfunde zuviel auf den Rippen; ungefähr 72 Kilo bei 1,66 und fühlte sich daher permanent unwohl mit ihrer Figur.
„Ich bin nicht so selbstbewusst, glaube ich. Ich liebe es einfach nur zu essen.“
„Wieviel wiegst du denn jetzt eigentlich?“
„Mehr als 117 jedenfalls.“
„Lass uns doch mal wiegen gehen!“
„Wenn du meinst!“ Daniela stopfte sich schnell noch einen Negerkuss in den Mund, stand schwerfällig auf und folgt Sandra, die schon ins Bad vorgerannt war.
„Drei und siebzig! Ich hab ein Kilo zugenommen!“ Sandra war schockiert. „Das ist weil du dauernd am essen bist und ich dann immer mitfuttere!“
„Ach, stell dich nicht so an!“
Daniela schälte sich mühsam aus der zu eng gewordenen Jeans und stellte sich auf die Waage.
„Hundertzwanzig. Das ist gar nicht so schlimm wie ich dachte. Da hab ich ja nur drei Kilo zugenommen“, stellte sie fest.
„Tja, die Waage geht aber nur bis 120. Wer weiß, wie viel du da noch drüber liegst!“
„Ist ja auch egal, oder? Zu dick oder viel zu dick. Wo liegt da noch der Unterschied?“
Nachdem sie sich mühsam wieder in die Jeans gezwängt und den Knopf geschlossen hatte griff Sandra herzhaft mit beiden Händen in Danielas überquellende Bauchspeckrolle und sagte:
„Da liegt der Unterschied!“
Auch wenn sie es nicht wollte, musste Daniela Sandra recht geben. Sie hatte sich in letzter Zeit echt ganz schön Pfunde angefuttert. Das war zwar prinzipiell nichts neues, schließlich stieg ihr Gewicht bereits seit 6 Jahren kontinuierlich an, aber noch nie hatte sie so schnell zugenommen. Genaugenommen hatte sie zuvor nie wirklich bemerkt, wie sehr sie zugenommen hatte, weil es immer eher langsam gegangen war. Alte Kleider wurden zwar eng und durch größere ersetzt, aber immer erst gegen Ende ihrer normalen Nutzungsdauer. Aber die Jeans die sie gerade trug war erst drei Monate alt und bereits so eng, dass Daniela fast herausplatzte. Und außerdem wurde sie in den letzten Wochen sehr bequem und auch schwerfällig. Ihre dicken Beine hatten nämlich an Umfang noch zugenommen und sie musste sich mittlerweile umständlich im Watschelgang fortbewegen, weil ihre Beine sich im Weg waren. Aber all diese Bedenken, die sie wegen ihrer Gewichtszunahme bekam waren immer wie weggewischt, wenn wieder etwas zu Essen auf dem Tisch war. Ganz besonders schlimm war es zusammen mit Max. Er war ein unverschämt guter Koch und sehr kreativ. Er schaffte es immer wieder, etwas zuzubereiten, das Daniela noch nie zuvor gekostet hatte und dadurch ihren Appetit noch weiter anzustacheln. Und die Tatsache, dass er selbst ordentlich zulangte, ließ auch bei Daniela hemmungslos gieriges Schlemmen zu.
„Du hast ja recht“, räumte Daniela ein. „Ich werde schon langsam fett. Aber ich habe das Leben noch nie so genossen wie jetzt. Ich werde zwar schon seit Jahren immer dicker, aber jetzt erst merke ich, wie toll es sein kann, dick zu sein!“
„Nicht im Ernst?“ fragte Sandra entsetzt.
„Doch. Irgendwie seltsam, aber Max scheint es total gut zu gefallen, dass ich dick bin. Und mir gefällt er auch mit seinem dicken Speckbauch und den Love-Handles. Und er ist trotzdem noch so beweglich…“ schwärmte sie Sandra vor.
Sandra jedoch war auch weiterhin nicht überzeugt. Sie naschte zwar so gerne, dass ihr eine schlanke Figur verwehrt war, aber die Erotik eines dicken Körpers wollte sich ihr nicht erschließen. Für Daniela hingegen begann sich nun langsam ein Puzzlestück zum nächsten zu fügen. Sie hatte immer schon gerne gegessen und ihre Berufswahl, Konditorin zu werden, hatte sich als genau das Richtige für sie erwiesen. Die heimlichen Naschereien am Arbeitsplatz hatte ihr so manches Pfund eingebracht, bis sie dann einmal von ihrem Chef erwischt worden war. Dieser war selbst eine imposante Erscheinung mit fast drei Zentnern Lebendgewicht und er hatte Daniela sofort durchschaut und ihr gestattet, so viel zu naschen wie sie wollte. „Nur wer selbst gern Torte mag, kann ein guter Bäcker sein!“ hatte er zu ihr gesagt. Und nun begann sie zu verstehen, warum sie ihren Chef immer so gemocht hatte! Nicht nur weil er immer sehr nett zu ihr gewesen war, sondern auch weil sie seine Leibesfülle als angenehm empfunden hatte und er ihr das Dicksein vorgelebt hatte. Sie hatte es ihm gerne nachgemacht und in den drei Jahren ihrer Lehre knapp über 20 Kilo zugelegt. Danach hatte sie das Zunahmetempo gesteigert, denn in den drei Jahren in denen sie sich um den Haushalt kümmerte, waren nochmals über 25 Kilo auf ihren Hüften, Po und Beinen gelandet. Und in den drei Monaten in denen sie mit Max zusammen war… Sie rechnete nach. In drei Jahren ungefähr 25 Kilo, das wären 8 Kilo pro Jahr. Jedes Jahr eine neues Hose, also hatten ihre Hosen einen Spielraum von 8 Kilo. Seit sie mit Max zusammen war hatte sie sich aber schon fast aus ihrer weitesten Jeans rausgefuttert – also fast 8 Kilo in drei Monaten! Dann wäre sie also jetzt bei ungefähr 128 Kilo… Sie knetete verträumt ihren Bauchspeck. Ihr Bauch hatte am meisten frischen Speck abbekommen. Früher war sie vor allem an Hintern, Hüften und Beinen in die Breite gegangen, jetzt zog ihr Bauch nach und bekam auch seinen Anteil saftiger Fettpolster ab.
Hallo, mein Name ist Max. Ich bin 29, habe schwarze, lockige Haare – na ja, an manchen Stellen werden sie schon ein bisschen grau – und dunkle Augen. Ich bin 1 Meter 85 groß und fast 110 Kilo schwer. Ein bisschen zu schwer für meine Größe, wenn man den bescheuerten Tabellen und Zahlen glaubt. Aber daran glaube ich nicht. Ich glaube fest an „Wohlfühlen“. Und ich fühle mich wohl. Ich bin noch sportlich genug um Liegestütze zu machen; einen Klimmzug schaffe ich auch noch. Und vor allem fühle ich mich wohl wenn ich esse – ich liebe es zu essen!
Von Beruf bin ich Bauleiter bei den Stadtwerken. Wenn neue Kabel verlegt werden oder alte repariert werden müssen, dann rücke ich mit meinen Leuten aus. Bei Wind und Wetter draußen, das mag ich. Ich bin kein Bürohengst. Klar, an den PC muss ich noch oft genug, aber nur vorm PC, da würd’ ich wahnsinnig werden.
Und jetzt verrate ich noch etwas, was ich nur ganz wenigen Leuten erzähle: Ich mag dicke Frauen. Kurven. Speck. Runde Hintern und dicke Schenkel. Das behalte ich meistens für mich, weil viele Vollidioten dann immer so was denken wie „klar, die fette Sau kriegt keine Schlanke ab, da hat er sich halt auf die Dicken eingestellt“. So ein Quatsch! Ich mochte es immer schon rundlicher bei den Damen. Auch als ich selbst noch schlanker war. Aber das werden manche Spacken nie verstehen. Meine Freunde verstehen es auch nicht alle, aber sie respektieren es immerhin.
Wie dem auch sei. Ich muss jetzt einfach mal meine Geschichte aufschreiben und, na ja, keine Ahnung wer das hier liest, es ist mir auch egal, aber es muss einfach mal raus.
Nach einigen verkorksten Beziehungen hatte ich mich schon seit einiger Zeit im bequemen Single-Leben eingerichtet. Ich bin viel durch die Gegend gereist, habe einen Scheißdreck auf die Meinungen anderer gegeben, habe im Ausland gearbeitet, habe gesoffen, Gras geraucht, bin auf Partys gegangen – alles was man eben machen kann, wenn man ungebunden ist (meistens habe ich allerdings zu Hause gesessen und Bücher gelesen, wenn ich ehrlich bin…).
In 10 Monaten in Dublin (hatte nen Job in ner Baufirma die bei den Neubauten im Hafengebiet dick im Geschäft ist) habe ich übrigens den Grundstein für mein Übergewicht gelegt. Von Mittwoch bis Sonntag jeden Abend mit den Kollegen in die Pubs, 5 bis 6 Pints Guinness geschlürft und danach Fish’n’Chips oder Burger oder Kebap. Das ging ganz schön auf die Hüften. Aber wie will man auch sonst die Abende füllen, wenn man plötzlich in einer ganz neuen Stadt ist? All die kleinen Dinge des Alltags im „Heimatleben“ entfallen plötzlich. Skat mit Kumpels, Fußballverein, die Proben mit meiner Rock-Band – da hat man abends eben jede Menge Zeit, Kalorien in Form von leckerem irischem Bier zu sich zu nehmen. Nach 6 Monaten Irland muss ich die 100 Kilo-Marke gesprengt haben – im Nachhinein geschätzt. Hatte dort ja auch keine Waage, dafür wenig Bewegung und viel Bier.
Also, wie schon bemerkt, ich habe das Single-Leben ausufernd genossen. Auf die Dauer wird das aber dann doch langweilig und man fängt an, sich nach einer Partnerin umzusehen. Das bedeutete leider, dass ich meine vernachlässigten Frauen-Aufreiß-Taktiken wieder einsetzen musste. Wäre es nur so gewesen. Nein, es war viel schlimmer. Meine Frauen-Aufreiß-Taktiken sind nicht existent. Eigentlich bin ich ein völlig unschüchterner Mensch und kann offen auf andere zugehen, aber sobald es sich um ein anbetungswürdiges weibliches Geschöpf handelt, bin ich immer komplett vernagelt. Wie dem auch sei. Nach mehreren erfolglosen Jahren hatte ich mich schon fast mit meiner Lage als Single komplett arrangiert (hat ja auch Vorteile, siehe oben). Dazu kam, dass ich mich auf Grund meiner konstanten Fresserei (hatte ich schon erwähnt dass ich gerne, viel und oft esse?) mittlerweile zum echten Schwergewicht entwickelt hatte – tut dem Ego nicht so gut, wenn man oft zu hören bekommt, wie fett man geworden ist – auch wenn ich eigentlich versuche, diesen Quatsch zu ignorieren. Also, ich war fett, eingefleischter Single und ein beschissener Flirter. Goodbye Liebesleben!
Aber jetzt kommt der Grund, warum ich das hier aufschreibe: Ich bin nicht mehr Single! Ich bin mit einer absoluten Traumfrau zusammen!
Also noch mal. Das Aussehen einer Frau ist für mich halt immer nur zweitrangig gewesen. Klar, wenn ich eine anspreche, dann muss sie mir gefallen, das ist klar. Aber die Frauen, in die ich mich in meinem bisherigen Leben verliebte, waren ohne Ausnahme alle schlank. Keine Ahnung woher das kommt. Mit einigen war ich auch zusammen und es fehlte mir nichts. Obwohl ich es eigentlich kurvig, rundlich oder sogar dick mag.
Ich schweife ab. Ich kann es selbst noch kaum glauben, dennoch ist es wahr: ich bin seit kurzem mit einer Traumfrau zusammen. (Wenn ich es nur oft genug aufschreibe, sickert die Wahrheit bestimmt auch mal in mein Hirn ein). Sie ist sehr nett, neugierig, hat entzückende blaue Augen und einen Mund, der geküsst werden will. Und sie ist so gar nicht oberflächlich, sie hat viel über sich selbst und das Leben nachgedacht und hat einige sehr interessante Entscheidungen getroffen (zeigt mir eine andere Dreiundzwanzigjährige, die sich freiwillig als Hausfrau um die jüngeren Geschwister kümmert!) Und sie liebt essen so sehr wie ich. Ich habe noch niemals solche Abende in Restaurants erlebt. Mit normal-schlanken Damen musste ich mich immer rechtfertigen, warum ich solch riesige Portionen bestelle, und dann zusätzlich noch die Reste aufessen. Mit Daniela ist das anders. Sie ist richtig schön dick und genießt es zu essen. Zusammen laufen wir zu kulinarischer Höchstform auf. Auch Kochen macht mit Daniela ungeheuren Spaß. Obwohl ich Essen und essen immer schon geliebt habe, wusste ich dennoch vor Daniela nicht, wie ungeheuer sinnlich und reizvoll essen noch sein kann! Ich habe mich tatsächlich Hals über Kopf in sie verliebt! Und seit wir zusammen sind, legen wir beide ordentlich zu. Mein Bauch war noch nie so rund wie derzeit und meine Love-Handles sind auch ganz schön gewachsen. Und obwohl ich eigentlich recht starke Armmuskeln habe (Klimmzug mit 110 Kilo – da braucht man schon nen Bizeps!), kann man an meinen Oberarmen nur noch Speck sehen. Doppelkinn hatte ich schon immer, aber jetzt sehe ich schon ziemlich feist aus, auch wenn ich den Kopf nicht nach unten halte. (Jetzt erzähl’ mir keiner, es sei unmännlich, sich so genau im Spiegel zu betrachten!).
Also: ich fresse mich derzeit um den Verstand und freue mich darüber, weil ich es mit einer tollen Frau zusammen tun kann, die sich ebenfalls um den Verstand frisst und aus allen Nähten platzt. Daniela hat vielleicht zugenommen seit wir zusammen sind! Man sieht es, obwohl sie schon gut dick war als wir zusammen kamen. Natürlich merke ich es besser als alle anderen – schließlich bin ich derjenige, der sie nicht nur nackt sehen darf, sondern sie auch anfassen! Und damit sind wir beim nächsten Thema: Sex war noch nie so gut. Sex war noch nie so geil. Mit einer dicken Frau im Bett kommt die dritte Dimension ins Fernsehen. Überall Kurven, überall rosiger, weicher Speck! Viel mehr Haut zum Streicheln und entdecken! So viel zu kneten und knautschen! Und sie steht scheinbar auch auf mein Fett – noch nie hat eine Frau mich so liebkost… Es ist einfach himmlisch und es macht mir gar nichts aus, dass man uns auf der Straße komisch anguckt: Guck dir die fetten Schweine an. Tja, beiden fetten Schweine sind glücklich! Glücklicher als du bescheuerter Lästerer jemals sein wirst, wenn du auf deinem nach Zigarettenrauch stinkenden Bunny an ausgemergelten Knochen anstoßen musst! Ihr könnt mich alle mal, ihr wisst ja gar nicht wie gut es mir geht!
DAS LEBEN IST SCHÖN! WUNDERSCHÖN!!
So, und jetzt gehen die beiden fetten Schweine schön eine fettmachende Pizza essen. Wir sind für sieben Uhr verabredet. Ich wette, dass sie mir wieder in den Hüftspeck kneifen wird, wenn wir uns umarmen. Und bei d’Angelos Pizzeria werde ich dann dafür sorgen, dass sie bald noch mehr zum Kneifen hat…
Teil 2
Daniela erwachte an einem wunderschönen sonntäglichen Wintermorgen weil die Sonne auf ihr Gesicht schien und sie wärmte. Sie streckte sich und brauchte einen kurzen Moment um richtig wach zu werden. Sie lag in dem Doppelbett in Max geräumiger Dreizimmerwohnung. Max war aber schon aufgestanden und klapperte in der Küche mit Pfannen und Töpfen und es roch verführerisch nach Gebratenem. Sie fragte sich, ob sie überhaupt würde etwas essen können, so wie sie sich gestern Abend vollgestopft hatte. Ein leckerstes Drei-Gänge-Menü wurde gefolgt von einem Besuch der Eisdiele und danach hatten sie im Jameson’s Irish Pub noch einige Whiskys getrunken, um dann als Absacker noch einen Döner hinterher zu schieben. Es war grandios gewesen, sie hatte sich köstlich amüsiert. Das Highlight des Abends war Max‘ eindrucksvolle Meat-Loaf-Imitation beim Karaoke gewesen. Optisch hatte es zwar besser geklappt als gesanglich, aber er hatte sich wacker geschlagen.
Sie stand träge auf und ging zu Max in die Küche.
„Guten Morgen, Schatz, was machst du da?“
„Ich brutzele uns ein leckeres Full Irish Breakfast. Sausage, black pudding, pancake, soda bread und fried egg. Dazu baked beans. Ich dachte, das wäre ein guter Start nach dem irischen Abend gestern.”
„Sieht auch gut aus. Wo hast du denn diese komischen Würste her?“
„Aus dem English Shop neben Karstadt. Die sind original aus England. Großstadt hat schon Vorteile.“ „Allerdings. Soll ich schon mal den Tisch decken?“
„Das wäre super!“
Nach dem Frühstück saßen beide am Tisch und schnappten nach Luft.
„Das war ganz schön viel“, sagte Daniela.
„Tja, die Iren frühstücken halt sehr gut.“
Zum Entspannen fläzten sich beide auf die Couch und Max machte Musik an. Als er sich bückte, um den CD Player zu erreichen, rutschte sein T-Shirt hoch und zeigte seine fetten Love Handles. Daniela wäre gerne aufgesprungen um in sie reinzukneifen, war aber gerade ein wenig zu träge dazu. Stattdessen sagt sie nur: „Max, du wirst ganz schön fett!“, um sich im nächsten Moment voll über sich selbst zu ärgern. Verdammt, das klang jetzt so negativ, dabei finde ich das doch sexy, dachte sie.
Doch Max blieb gelassen.
„Bin ja zum Glück nicht allein mit diesem Schicksal!“, sagte er und mit einem schnellen Sprung war er bei Daniela und kniff sie in ihre fetten Beine und die Speckrollen am Bauch.
„Hör auf, hör auf“, lachte Daniela. Dass sie kitzlig war, hatte er leider viel zu schnell herausgefunden.
Max ließ sich neben sie plumpsen und legte die Hände auf seinen mächtigen Bauch, der das T-Shirt straff spannte, und wackelte mit dem Speck.
„Ich werde wirklich fett. Aber ich muss ja mit dir solidarisch sein!“
„Es tut mir leid“, sagte sie. „Ich wollte es nicht negativ sagen. Eigentlich finde ich dich sogar fast besser mit mehr Bauch!“ Und sie wurde rot. Das hatte sie sich noch nie getraut ihm zu sagen!
Max schaute sie erstaunt an.
„Echt?“
Sie nickte.
„Ich glaube, wir haben gerade noch eine Gemeinsamkeit mehr gefunden!“
Jetzt war Daniela an der Reihe ungläubig zu schauen.
„Naja, ich finde es halt auch nicht schlecht, dass du in den letzten Wochen etwas zugelegt hast…“, schob er zögernd nach.
Das war das erste Mal, dass Max sich zu ihrem Gewicht äußerte. Vorher hatte sie gedacht, er hätte es entweder nicht gemerkt oder ignoriert, dass sie zunahm. Sie musste sich aber eingestehen, dass ihre Gewichtszunahme in dem halben Jahr, in dem sie mit Max zusammen war, mittlerweile beim besten Willen nicht mehr zu übersehen war. Und immer noch war kein Ende der Zunahme in Sicht, denn es war einfach wundervoll, sich mit Max zusammen so richtig gehen zu lassen. Und sie genoss es ja auch zu sehen, wie er dicker und dicker wurde und sein Bauch immer mehr wuchs. Dafür nahm sie gerne in Kauf, selbst etwas aus dem Leim zu gehen.
Max tätschelte ihre obere Bauchspeckrolle und küsste sie hingebungsvoll. Daniela küsste zurück. Sie waren zufrieden.
Daniela plante demnächst bei Max einzuziehen, denn seine Wohnung wäre groß genug für zwei und sie hatte mit ihrem Vater darüber gesprochen, dass ihre jüngeren Geschwister jetzt alt genug waren, um auf sich selbst aufzupassen, und deshalb ihre Arbeitskraft als Hausfrau nicht mehr benötigt würde. Außerdem wollte sie wieder als Konditorin arbeiten und hatte auch bereits einige Bewerbungen weggeschickt. Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch hatte sie auch schon erhalten, morgen hatte sie den Termin, schon um sechs Uhr morgens. Max hatte sich über die frühe Uhrzeit gewundert, aber sie hatte ihm erklärt, dass im Bäcker- und Konditorgewerbe frühes Aufstehen ohnehin unumgänglich sein würde und ihr zukünftiger Chef sie wohl testen wollte. Max hatte ihr versprochen sie zu begleiten, worüber sie sich sehr freute. Sie freute sich auch auf das Vorstellungsgespräch, eigentlich, sie hoffte bald wieder arbeiten gehen zu können und nicht mehr finanziell von anderen abhängig zu sein. Außerdem würde es bestimmt noch leichter sein, Max dicker zu füttern wenn sie bei ihm wohnen würde… Sie würde reichlich Kuchen backen… Kalorienreich kochten sie ja ohnehin schon… Und sie würde versuchen, so viele „Reste“ wie möglich von der Arbeit mitzubringen, die Max dann sicherlich ruck zuck verputzen würde… Und er würde dann noch dicker werden. Eigentlich war er ja schon ganz schön fett… aber da ging bestimmt noch etwas…
„Und wie ist es gelaufen?“, fragte Max.
„Ich hab’ die Stelle!“, freute sich Daniela.
„Glückwunsch! Darauf gehen wir heute Abend fein essen!“
„Warum erst heute Abend? Lass uns frühstücken gehen, ich lade dich ein!“
Und so schlenderten sie in ein kleines Café und bestellten eine Kanne Kaffee zum Frühstücksbüffet.
„Ja, das ist doch mal ein guter Start in den Tag!“, sagte Max.
Nach zwei Stunden, etlichen Croissants und reichlich Rührei, Müsli, Joghurt und Kuchen verließen sie das Café wieder. In der Straßenbahn setzten sie sich gegenüber. Nebeneinander sitzen war, bedingt durch die Leibesfülle der beiden, schlichtweg unangenehm geworden. Danielas überbreite Hüften und Schenkel beanspruchten fast eineinhalb der engen Straßenbahnsitze und auch Max quoll seitlich über seinen hinaus. Seit ihrem ersten Wiegen kontrollierten sie regelmäßig ihr Gewicht. Bei beiden war es noch erheblich nach oben gegangen. Max lag mittlerweile bei 138 Kilo, während Daniela es auf 145 brachte.
„Frohe Weihnachten!“, begrüßte Daniela ihre Familie. Sie und Max hatten beschlossen, ihre Familien zu sich in die Wohnung zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier einzuladen. Max‘ Eltern waren bereits am Vortag aus der Hauptstadt angereist und hatten seinen jüngeren Bruder Bernhard mitgebracht, der auch eindeutig zu viel wog, aber doch wesentlich schlanker als sein älterer Bruder war. Max‘ Vater Helmut war ein großgewachsener breit gebauter Mann, wohingegen seine Mutter Marliese zwar klein, dafür aber fast so breit wie hoch war. Die Vererbung war hier offensichtlich. Den guten Appetit hatte Max von beiden Seiten vererbt bekommen, den muskulösen Körperbau von seinem Vater, aber die Leibesfülle kam deutlich von seiner Mutter, die jetzt ihren Kopf neugierig aus dem Wohnzimmer steckte.
„Frohe Weihnachten!“
„Geht schon mal ins Wohnzimmer, der Tisch ist schon gedeckt.“
Die Zwillinge Tanja und Eva versuchten sich gleichzeitig durch die Türe zu drängeln, was ihnen aufgrund ihrer Leibesfülle nicht gelang. Dahinter kam Larissa, die jüngste und trotzdem dickste von Danielas jüngeren Geschwistern, der es aber noch nicht gelungen war, Daniela gewichtsmäßig einzuholen. Zum Schluss kamen ihr Vater Jörg und ihr Bruder Thomas. Max‘ Familie saß im Wohnzimmer bereits am Tisch, und so ging das Vorstellen und Händeschütteln los. Daniela wunderte sich, wie eng das eigentlich so geräumige Wohnzimmer angesichts der Vielzahl übergewichtiger anwesender Personen erschien. Angestoßen wurde mit Sekt.
Danach ging das große Fressen los. Daniela und Max hatten Unmengen gekocht und der Tisch bog sich unter den Leckereien. Fischplatte, Gänsebraten mit Knödeln und Rotkraut, Kartoffelsalat, Rinderfilet Wellington im Blätterteigmantel und zum Abschluss Mousse au chocolat mit weißer, Vollmilch und Bitterschokolade. Dazu reichlich Rotwein. Alle Anwesenden ließen sich nicht lumpen und aßen, bis die Knöpfe spannten. Als schließlich alle überfressen nach Luft japsten, erhob sich Daniela schwerfällig und winkte Max zu sich in die Küche.
„Ich kann nicht mehr“, keuchte sie kurzatmig, „ich hab mich überfressen!“
„Haben wir alle“, antwortete er satt. „Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr.“
Als die beiden danach mit Kaffee, Christstollen und Käsesahnetorte wieder im Wohnzimmer auftauchten, stöhnten alle im Chor auf.
„Wer soll das denn alles essen?“, fragte Max‘ Bruder.
„Na, wer wohl?“
„Ich kann nicht mehr“, stöhnte Eva, die sich besonders vollgefressen hatte.
„Ich sag immer, Essen ist Arbeit“, sagte Max‘ Vater und nahm sich vom Christstollen. Larissa nahm sich ein Stück von der Käsesahne.
„Hmm, die ist gut“, seufzte sie, „die müsst ihr probieren!“ Und so verdrückte die Runde unter Stöhnen und mit heimlich geöffneten Hosenknöpfen auch noch diese Köstlichkeiten. Der Verdauungsschnaps, den Max zum Ende anbot, wurde dann auch von allen gerne genommen. Die einzigen, die danach noch reden konnten, waren Daniela und ihre Schwestern, alle anderen waren damit beschäftigt, in ihre überfüllten Mägen hineinzuhören.
Max‘ Mutter und Tanjas Vater standen später in der Küche, während die anderen im Wohnzimmer versuchten Monopoly zu spielen.
„Ich bin froh, dass mein Ältester so eine nette Frau gefunden hat“, stellte Marliese fest. „Und auch der Rest der Familie ist ja sehr sympathisch.“ Wäre sie nicht so beschwipst gewesen, hätte sie sich sicher nicht getraut, das so zu sagen. Verlegen steckte sie sich noch ein Zimtplätzchen in den Mund.
„Ja, das beruht auf Gegenseitigkeit“, antwortete Jörg, der jetzt ebenfalls verlegen war.
„Wer so gut essen kann, der kann einfach kein schlechter Mensch sein“, stellte Marliese fest. „Bei uns liegt das in den Genen. Der Max war immer schon dick, er kommt nach seiner Mutter“, sagte sie mit Stolz. „Und Ihre Töchter sind ja auch schön proper“, fügte sie hinzu und steckte sich ein weiteres Plätzchen in den Mund.
Danielas Vater Jörg nickte. „Die zwei passen gut zueinander“, stellte er fest.
„Finde ich auch.“
Daniela und Max hingegen standen gemeinsam auf dem Balkon. Es war kalt und Max hatte seine Arme so gut es ging um seine ausladende Freundin gelegt und liebkoste zärtlich ihren Rückenspeck. Sie hatte ihren Kopf an seine Speckbrust gelegt und ihre Hände kneteten seine fetten Love-Handles.
„Deine Familie ist echt nett“, sagte sie.
„Deine auch“, antwortete er, auch wenn das nichts Neues war, schließlich hatte er Danielas Familie schon gleich zu Beginn ihrer Beziehung kennen gelernt.
„Jetzt weiß ich auch, woher das hier kommt“ sagte sie und kniff ihn besonders fest in die Hüfte.
„Ja, meine Mama war immer schon dick. Aber sie schafft es trotzdem, bei jedem Wiedersehen noch ein kleines bisschen dicker zu sein.“
„Schaffst du das auch?“, fragte Daniela.
„Noch dicker zu werden? Dafür wirst du schon sorgen, glaube ich.“
Und sie küssten sich, bevor sie wieder ins warme Wohnzimmer zurückgingen.
ENDE
|